Dienstag, 16. Juni 2015

Ein kleiner Patient

Meine Tochter wird immer mehr zur Puppenmutti. Und als Puppenmutti kann man nie genug "Babys" haben. Bei meinen Eltern gibt es zum Glück noch ganze viele Puppenkinder, die gerne wieder bespielt werden wollen.

Bei so viel Auswahl kann man schnell schon mal direkt die Puppe aussuchen, die am dringendsten wieder lieb gehabt werden muss. ;) 


Das war damals meine allererste Puppe. Ich soll sie beim einkaufen entdeckt und dann einfach nicht mehr losgelassen haben. Ich muss die Puppe wohl in den ersten Jahren sehr lieb gehabt haben und so hat sie auch ziemlich gelitten. 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mein Baby immer wieder zu meiner Oma gebracht habe, damit sie es repariert. 


Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem es einfach nicht mehr zu flicken war. Ich weiß noch, das die Puppe länger bei der Oma war und dann mit einem neuen Körper zurück kam. So sah die Lösung dann aus: 


Um den alten kaputten Körper gab es einen Body, der alles zusammen halten sollte. 
Das Baby blieb aber empfindlich und daher die meiste Zeit im Bett

Meine Tochter hat den wackelnden Kopf nicht bemerkt und offenbar hat er sie auch nicht gestört. Nach ein paar Tagen war der Kopf so gut wie verloren. Den Anblick wollte ich ihr dann doch lieber ersparen. 

Während die Kleine durch die große Cousine abgelenkt im Garten gespielt hat, habe ich angefangen, dass Baby auseinander zu nehmen. Ein wenig nervös war ich schon. Ob das klappt? Ob die Arme und Beine wieder halten werden? 



Der Kunststoff an den Armen und Beinen, war dann doch deutlich dicker, als ich erst gedacht hatte. Ich hatte mir extra neue spitze Sticknadeln gekauft, aber war mir dann doch unsicher, ob die das schaffen würden. 

An den Armen und Beinen habe ich mir vor dem Trennen, die Position der Nähte markiert, damit sie später auch wieder ihren alten Platz finden können. 

So sah die Puppe dann in Einzelteilen aus: 


Die Reste von dem Körper habe ich dann ganz vorsichtig aufgetrennt und gebügelt. An vielen Stellen war wirklich kaum noch Stoff da....


Um den Schnitt von den alten Teilen abnehmen zu können, habe ich die Nahtzugaben weggeschnitten. Die waren zu unterschiedlich erhalten, das machte keinen Sinn mehr. Und dann kam der Versuch den Schnitt wieder zu rekonstruieren. 


Normalerweise lasse ich an Jersey nicht so viel Nahtzugabe. Aber der Körper soll nicht noch einmal auseinanderfallen. 


Vor dem Zusammennähen habe ich alle Stoffkanten mit der Overlock-Maschine versäubert. 

Das Festnähen der Arme und Beine hat wirklich viel Zeit gekostet. Ich habe mit Zwirn genäht und vorsichtshalber jeweils gleich zwei Runden gemacht. Besonders schön ist es, wenn man nach dem Einnähen merkt, dass das Beim um 180° gedreht ist....
Ich hoffe, sie werden nicht abfallen. Aber eigentlich machen sie einen ganz ordentlichen Eindruck. 

Die Füllwatte habe ich komplett getauscht und neue Watte genommen. 

Für den Kopf habe ich einen Tunnel am Hals genäht, der im Rücken einen kleine Öffnung hat. Erst wollte ich einen Kabelbinder nehmen, habe dann aber doch "nur" eine Schnurr genommen. Man sieht nichts davon und der Kopf lässt sich drehen. 

So sieht das Puppenkind nun aus.


Die Puppenmutti hat von der Operation nichts mitbekommen. Ich hoffe, das Puppenbaby wird nun noch lange bespielt werden und viel Freude machen.

Jetzt müsste ich eigentlich nur noch herausfinden, wie ich die Wimpern wieder schön bekomme. So richtig traue ich mich nicht, neue anzukleben. Nicht das die Schlafaugen kaputt gehen.

Jetzt braucht der kleine Patient noch neue Kleidung. Die alten Lumpen gehören eigentlich in den Müll.


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Kommentare:

  1. Wow, das ist dir ja super gelungen, meine alte Puppe, wird nämlich auch bespielt und muss sich dann wohl auch irgendwann einer OP unterziehen, gut zu wissen, wie du dran gegangen bist. Sieht richtig gut aus. Wie neu. Auf in die weitere Runde. Toll.
    Liebe Grüße,
    Petra

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    1. Danke!
      Schön, wenn dir meine Erklärung weiter hilft. :)
      Spielzeug reparieren, ist doch immer etwas anderes.

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